Podcast im Handwerk: Plädoyer!

Als Maler kommen wir of hoch hinaus. Hier ein Blick aufs Steintorviertel in Bremen - Plädoyer für einen Podcast im Handwerk

Christian Gursky hat mit einer Blogparade die Frage gestellt, welche drei Dinge einen Podcast hörenswert machen. Wir finden die Frage interessant und möchten sie beantworten mit:

  1. Relevanz
  2. Sprache
  3. Kreativität und Vielfalt

Um es vorweg zu schicken: ich bin kein Podcaster und habe bisher auch keine Ambitionen einer zu werden. Aber ich nutze Podcasts in verschiedenen Zusammenhängen jetzt seit etwa 10 Jahren.

Neben den mittlerweile zahlreichen kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Angeboten, die hauptsächlich dazu dienen teuer produzierte Inhalte zweit- und drittverwerten zu können gibt es ein nahezu unüberschaubares Angebot an Podcasts, die nicht von professionellen Medienmachern mit dem entsprechenden Equipment und finanziellen Möglichkeiten gemacht und veröffentlicht werden. Darunter sind viele äußerst interessante Angebote, von unterhaltsam über informativ bis lehrreich.

Es ist nicht immer ganz einfach die für sich passenden Podcasts aus dieser Masse herauszufiltern, weil man als normal eingebundener Mensch nur eine sehr begrenzte Zeit zur Verfügung hat um das Angebot zu scannen und zu beurteilen. Und auch dann muss zumindest ich mich extrem beschränken in der Anzahl der Podcasts, die ich abbonniere. Mehr als 6 Stunden Wortbeiträge die Woche sind eigentlich nicht regelmäßig zu konsumieren.

Thematisch liegt mein Schwerpunkt bereits seit vielen Jahren auf Unternehmensführung, Strategie und Personalentwicklung. Hier ist die Auswahl groß. Grundsätzlich kann man als Faustregel ansehen, dass alles wofür es ein Studienfach gibt auch in Podcasts thematisch mehr oder weniger gut, auf jeden Fall aber ausführlich behandelt wird. Je näher das Fach thematisch bei neuen Medien angesiedelt ist, desto größer ist das Angebot.

Damit sind wir auch schon beim größten Problem, das ich mit der Podcast-Landschaft habe: Als Handwerksbetrieb finden wir praktisch keine branchenspezifischen Angebote, die für unsere Mitarbeiter und Auszubildenden geeignet wären. Während wir als Geschäftsführung alle “Metathemen” unseres Unternehmerlebens abgebildet sehen, kann ich nichts von Relevanz an unsere Mitarbeiter empfehlen. Dabei ist die Nutzung des Internets und vorhandener Pod- und Vodcasts gerade bei den Jüngeren Handwerkern mittlerweile fast ebenso selbstverständlich wie bei den “Was-mit-Medien”-Machern. Dabei gibt es gerade im überregulierten Handwerk permanent viel zu berichten und zu informieren. Auch die ständige Weiterentwicklung der zu verarbeitenden Produkte macht es für jeden Gesellen und Auszubildenden erforderlich sich auf dem Laufenden zu halten. Das sind weite Felder, die leider bisher nicht beackert werden. Sollten derartige Angebote existieren und wir haben Sie nur noch nicht gefunden bitten wir um Hinweise.

Für mich ist damit das Hauptkriterium:

Podcast mit Relevanz!

Die Inhalte müssen einfach stimmen. Zunächst muss mich das Hauptthema in irgendeiner Form betreffen oder interessieren. Wenn das gegeben ist muss aber auch die thematische Stringenz gewahrt bleiben. Es macht selten Freude einem Podcaster dabei zuzuhören, wie er abschweift oder nicht auf den Punkt kommt. Es geht dabei aber nicht darum, dass das Themenspektrum besonders eng gefasst sein müsste. Der Bezug zum eigentlichen Titel sollte aber klar sein und immer wieder  herausgearbeitet werden. Ein Podcast ohne eindeutige thematische Linie erweckt den Eindruck, dass der Produzent selbst nicht daran glaubt mit dem Ursprungsthema ausreichend Interesse zu wecken. Die Relevanz leidet auch unter zu häufigen Wiederholungen. Das ist leider regelmäßig bei Selbstvermarkterpodcasts der Fall, die in erster Linie dazu dienen sollen dem Produzenten ein Publikum für den Verkauf weiterer Produkte und oder Dienstleistungen zu verschaffen. Das ist eine legitime Motivation für die Produktion eines Podcasts, wenn dort aber nicht klar genug getrennt wird zwischen Eigenwerbung und echten Inhalten wird es schwierig.

Wenn ich von der Bedeutung eines Themas für mich überzeugt bin folgt unmittelbar der Wunsch zu verstehen, was mir vermittelt werden soll. Es mag banal klingen, aber das wichtigste Argument bei einem einmal gefundenen Podcast zu bleiben und sich immer wieder Folgen anzuhören ist:

Sprache im Podcast!

Häufig interessiere ich mich für Themen in denen ich gerade nicht ausgebildet wurde. Viele eigentlich interessante Podcasts fliegen aus den Abolisten wieder heraus, weil sie es nicht schaffen das Fachliche verständlich und interessant aufzubereiten. In diesen Bereich spielt natürlich auch die Professionalität der Aufmachung hinein und Psychologen werden vermutlich hier die Sympathie für den Produzenten/Sprecher auch als entscheidendes Kriterium anführen, die dann entsteht, wenn mein Gegenüber “meine” Sprache spricht.

Um einem relevanten und sprachlich gut aufbereiteten Podcast lange zu folgen braucht es schließlich:

Kreativität und Vielfalt im Podcast!

Ein guter Podcast muss immer wieder überraschen, ein breites Spektrum an Aspekten aus dem Titelbereich abdecken und – das ist besonders wichtig, wenn man dem Podcast treu bleiben soll – Perspektivwechsel vornehmen. Nach ein paar Monaten kennt man die Ansichten und Ansätze des Moderators und hat eine grundsätzliche Vorstellung vom Thema entwickelt. Wenn das lediglich wiederholt und bestätigt wird verliert der Podcast seinen Reiz. Das äußert sich zum Beispiel in “Schulterklopfer-Interviews”, die dazu dienen sollen den Interviewer und den Interviewten in das Netzwerk des jeweils anderen zu pushen und so die Reichweiten zu erhöhen. Um interessant zu bleiben müssen komplexe Themen kontrovers diskutiert und abweichende Ansichten ernsthaft und mit nötiger Tiefe behandelt werden.

Ich wünsche mir, dass es bald einen Podcast für das Handwerk, am liebsten für das Malerhandwerk gibt, der diesen Kriterien genügt!

Es soll hier jetzt keine Favoritenliste für Podcasts folgen, aber einen der es immer wieder schafft komplexe Themen hervorragend darzustellen und seine Interviewpartner so auszuwählen und anzuleiten, dass die aus ihrem Fachjargon ausbrechen ist Tim Pritlove, bei dem sich das reinhören eigentlich immer lohnt. Auch der Podcast von Christian Gursky ist natürlich absolut hörenswert :-)

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